Durch den Einsatz von Zweitprioritäten lassen sich flexible Backup-Ketten aufbauen. Dabei übernimmt jeder physikalische Router nicht nur eine feste Position in der Kette, sondern für jedes seiner physikalischen WAN-Interfaces eine individuelle Position:
- Der erste physikalische Router, der als Haupt-Router im Netz fungiert, verfügt beispielsweise über ein Glasfaser- und ein 4G-Interface. Der zweite Router (Backup-Router) besitzt ein DSL- und ein 5G-Interface.
- Beim ersten Router wird als Haupt-Priorität der Wert 200 eingetragen, womit er die Rolle des Haupt-Routers einnimmt. Seine Backup-Priorität erhält den Wert 50.
- Der zweite Router erhält eine Haupt-Priorität von 150 und eine Backup-Priorität von 100.
Im Normalbetrieb läuft der Datenverkehr über das Glasfaser-Interface des ersten Routers. Fällt dieser Router oder sein Glasfaser-Interface aus, versucht der zweite Router – aufgrund der nächsthöheren Haupt-Priorität – die Verbindung über sein DSL-Interface aufzubauen. Schlägt auch dieser Verbindungsversuch fehl, propagieren beide Router ihre Backup-Prioritäten. Da der zweite Router über eine höhere Backup-Priorität verfügt, baut er nun die Verbindung über sein 5G-Interface auf. Erst wenn auch diese Verbindung nicht gelingt, übernimmt schließlich das 4G-Interface des ersten Routers (mit der niedrigeren Backup-Priorität).
Automatischer Wiederaufbau nur bei Keep-Alive-Verbindungen
Eine über Backup abgesicherte Standardverbindung wird nach einem Backup-Fall nur dann automatisch wiederhergestellt, wenn ihre Haltezeit entsprechend konfiguriert wurde:
- Eine Haltezeit von 0 bedeutet, dass die Verbindung nicht aktiv getrennt wird. Wird sie jedoch aufgrund einer Störung oder Unterbrechung beendet, erfolgt kein automatischer Neuaufbau. Erst bei einer erneuten Kommunikationsanforderung wird die Verbindung wieder aufgebaut.
- Eine Haltezeit von 9999 bewirkt, dass die Verbindung permanent offen gehalten wird. Wird die Verbindung getrennt, erfolgt sofort ein automatischer Neuaufbau. Dieses Verhalten bezeichnet man als Keep-Alive.
Es wird empfohlen, sowohl die Verbindung zum Internet-Provider (in der entsprechenden Namensliste) als auch backup-gesicherte VPN-Verbindungen (in der VPN-Verbindungsliste) mit einer Haltezeit von 9999 zu konfigurieren. So wird die Verbindung nach einer Störung automatisch wieder aufgebaut und der reguläre Betrieb nahtlos fortgesetzt.